Fledertier-Glossar
A · B · C · D · E · F · G · H · I · J · K · L · M · N · O · P · Q · R · S · T · U · V · W · X · Y · Z

 
adult
'erwachsen, ausgewachsen'; adulte Tiere sind geschlechtsreif.
 
Aggregation
Scheingesellschaft: eine Ansammlung von Tieren, die nicht sozial bedingt ist, sondern unabhängig voneinander durch die gleichzeitige Nutzung desselben Ortes zustande kommt, etwa eines Futter- oder Trinkplatzes, eines Schlaf- oder Überwinterungsplatzes oder eines Versteckes. In Totholz nistende Insekten z. B. sind meist Einzelgänger, auch wenn sie in großer Zahl dort vorkommen.
 
Amplitude (A)
die größte Schwingungsweite, der größte "Ausschlag" einer Welle. Je höher die Amplitude einer Schallwelle, desto größer ist der Schalldruck, desto lauter also der Schall – etwa der Ortungsruf einer Fledermaus.
 
anthropogen
'menschlichen Ursprungs'; anthropogene Ursachen des Artensterbens sind z. B. die Zerstörung von Habitaten, Umweltvergiftung und direkte Verfolgung durch den Menschen.
 
anthropophil
'menschenliebend'; anthropophile Tierarten suchen die Nähe des Menschen (Kulturfolger).
 
Antitragus
Ohrhinterrand gegenüber dem Tragus
 
Autopodium
Hand- bzw. Fußbereich der Extremitäten von Wirbeltieren
 
Balz, Balzritual
Artspezifisch ritualisiertes Werben um das andere Geschlecht. Fledermaus-Männchen balzen, indem sie die Weibchen durch ihren "Gesang" in ihr Hochzeitsquartier oder durch auffällige Balzflüge zu ausgewählten Hangplätzen locken.
 
Bat-Detector
'Fledermaus-Entdecker': handliche Geräte, mit denen man die Ultraschall-Ortungsrufe der Fledermäuse für das menschliche Ohr hörbar machen kann.
 
Buzz
'Summen': englische Bezeichnung für einen kurzen Summton, der durch das Abfallen des Ultraschallrufes in den für Menschen hörbaren Bereich unmittelbar vor dem Fang entsteht.
 
Calcar
Fledermaus-"Sporn", von einem Fußwurzelknochen ausgehende paarige Skelettspange, die die Schwanzflughaut (Uropatagium) spannt, mit der viele Fledermäuse Insekten aus der Luft "keschern". Der Calcar ist wie der Tragus für den Fachmann ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.
 
Canini
Fang- und Eckzähne der Säugetiere. Bei Beutegreifern sind sie deutlich länger als die Schneide- und Backenzähne.
 
Cardia
'Magenmund': Einmündung der Speiseröhre (Ösophagus) in den Magen
 
carnivor
siehe karnivor
 
Carpalia
Handwurzelknochen
 
Chiroptera
'Handflügler'; die Ordnung der "Fledertiere", die man in die beiden Unterordnungen der Microchiroptera ("Fledermäuse") und Megachiroptera ("Flug"- bzw. "Flederhunde") unterteilt. (Zum Vergleich: Die Chiropraktik bezeichnet bekanntlich ein 'Handheilverfahren'.)
 
chiropterophil
'fledertierliebend': chiropterophile Blüten haben sich in ihrer Evolution an den Besuch auf Blüten spezialisierter Flederhunde angepaßt.
 
Condylus occipitalis
Höcker an den Ossa occipitalia zur Verbindung des Schädels mit dem 1. Halswirbel. Die "Condylobasallänge" dient der Alters- und Artbestimmung.
 
Dezibel (dB)
Die logarithmische Maßeinheit "Dezibel Schalldruckpegel", abgekürzt "dB SPL" (für englisch sound pressure level), gibt den Schalldruck bzw. die Lautstärke an. Logarithmisch ist der Begriff deshalb, weil sich z. B. eine Verdopplung des Schalldrucks in einer Zunahme von 6 dB, eine Verzehnfachung durch plus 20 dB ausdrückt.
 
dorsal
Zum Rücken gehörig, rückenseitig
 
Fledermaus
Fledertier (Ordnung Chiroptera) der Unterordnung Microchiroptera
 
Fledermaus-Gaube bzw. -Gaupe
Aus dem Dach herausgebautes Dachfenster bzw. "Dachausstieg", der im Gegensatz zu anderen Gauben nicht rechteckig geformt ist und ein Spitzdach hat, sondern rund wie ein Augenlid aus dem Dach heraustritt. Mit Fledermäusen hat dieser Gaubentyp wohl insofern zu tun, als solche niedrigen Belichtungs- und Belüftungsöffnungen ursprünglich glaslos waren und somit den nächtlichen Jägern einen idealen Einflug boten.
 
Fledermaus-Ziegel
spezieller Dachziegel mit Lüftungselement, der kein Gitter oder Sieb aufweist und somit Fledermäusen den Einstieg in den Dachboden ermöglicht.
 
Fledertier
Säugetier der Ordnung Chiroptera; Oberbegriff zu den Unterordnungen der "Fledermäuse" (Microchiroptera) und "Flug-" bzw. "Flederhunde" (Megachiroptera).
 
Flughund bzw. Flederhund
Fledertier (Ordnung Chiroptera) der Unterordnung Megachiroptera
 
Frequenz (f bzw. v; Maßeinheit: Hertz bzw. Hz)
die Anzahl der Perioden bzw. vollen Schwingungen in einer Sekunde
 
fructivor
'fruchtfressend'
 
Gesang, Singen
auch für Menschen hörbare Rufe der Fledermaus-Männchen, die dadurch Weibchen in ihre Hochzeitsquartiere locken.
 
herodont
aus verschiedenartigen Zähnen zusammengesetzt
 
Hertz (Hz), Kiolohertz (kHz)
(nach einem Physiker benannte) Schwingungen pro Sekunde; 1.000 Hz = 1 kHz. Je mehr Schwingungen pro Sekunde, also je höher die Hertz-Zahl, desto höher der erzeugte Ton. Menschen hören in einem Bereich von etwa 16 bis maximal 20.000 Hz (20 kHz), Fledermäuse rufen zwischen 15 kHz und 150 kHz, also im Ultraschallbereich.
 
heterotherm
'von unterschiedlicher Temperatur', wechselwarm; heterotherme (auch: poikilotherme) Tiere wie Insekten, Amphibien und Reptilien können ihre Körpertemperatur nicht aktiv konstant halten, d. h. die eigene Temperatur hängt von der Außentemperatur ab. Fledermäuse sind als Säugetiere zwar homoiotherm, können sich aber zum Zwecke der Energieeinsparung heterotherm verhalten.
 
homodont
aus gleichartigen Zähnen zusammengesetzt
 
homoiotherm
'von gleicher Temperatur'; homoiotherme (auch: idiotherme) Tiere, vor allem Säugetiere und Vögel, halten ihre Körpertemperatur weitgehend konstant, sie sind "Warmblüter".
 
Ileum
'Leerdarm': Endteil des Dünndarms der Säugetiere
 
Incisivi
Schneidezähne der Säugetiere
 
Infraschall
Schwingungen in einem tieffrequenten Bereich unterhalb 16 Hz, also unterhalb des menschlichen Hörbereichs.
 
Intestinum
Dünndarm
 
insectivor
'insektenfressend'
 
Jejunum
Krummdarm: Mittelteil des Dünndarms der Säugetiere
 
karnivor
'fleischfressend': Karnivore Lebewesen ernähren sich regelmäßig und überwiegend von anderen Tieren.
 
Komfortverhalten
Verhaltensweisen, die entweder der Körperpflege dienen (Putzen, Kratzen, Sichschütteln und -scheuern, Wasser-, Staub- oder Sonnenbaden) oder dem Stoffwechsel, vor allem der Sauerstoffversorgung (Sichstrecken, Gähnen). "Komfortverhalten" wird manchmal sekundär zum "Ausdrucksverhalten" weiterentwickelt, mit dem Artgenossen beeinflußt werden können, das also der Verständigung dient (Balzen, Drohen, Beschwichtigen etc.).
 
Kommentkampf
Nach festen "Regeln" ablaufender Kampf mit einem Artgenossen mit dem Ziel, diesen aus dem Revier oder von einem potentiellen Geschlechtspartner zu verdrängen oder selbst in der Rangordnung aufzusteigen. Die "Regeln" haben den Zweck, Verletzungen durch Beißen, Treten, Stoßen etc. zu vermeiden.
 
Kopulation
Paarung, sexuelle Vereingigung
 
Laktation, Laktieren
Milchabsonderung aus den Milchdrüsen, Stillen
 
Lethargie
Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit. Lethargische Fledermäuse überdauern mit stark abgesenkter Körperemperatur, die sich der Außentemperatur annähert, nahrungsarme und kühle Schlechtwetterperioden, ohne zu fressen; sie sind in diesem Zustand aber mehr oder weniger wach und registrieren, was um sie herum geschieht.
 
lithophil
'steinliebend'; lithophile Fledermäuse bevorzugen als Hangplätze Steinstrukturen, also Fels- und Mauerspalten statt Baumhöhlen und Spalten im Gebälk.
 
Mandibel
Unterkiefer. (Bei Insekten das erste Paar von Mundwerkzeugen)
 
Megachiroptera
'große Handflügler': Unterordnung der größeren und fruchtfessenden Fledertiere, der sog. Flug- bzw. Flederhunde, die in den Tropen und Subtropen der Alten Welt leben.
 
Microchiroptera
'kleine Handflügler': Unterordnung der meist kleineren und insektenfressenden Fledertiere, der sog. "Fledermäuse", wie sie etwa in Europa bekannt sind.
 
Molossidae
'Mahlknochen': Familie der "Bulldoggfledermäuse", der in Europa nur die Gattung Tadarida bzw. die Art T. teniotis zugehört.
 
Mortalität
'Sterblichkeit'; die Kindersterblichkeit unter Fledermäusen kann 50 Prozent erreichen.
 
olfaktorisch
'den Riechnerv betreffend', 'durch den Geruchssinn'
 
Ösophagus
'Speiseröhre': Abschnitt des Verdauungssystems, der die Verbindung zwischen Rachen und Magen darstellt.
 
Parasit
'Schmarotzer': ein Lebewesen, das zum Zwecke der Ernährung oder Fortpflanzung ein anderes Lebewesen – den sogenannten Wirt – durch Verletzungen und/oder giftige Stoffwechselprodukte schädigt.
 
Patagium
Flughaut der Fledertiere
 
promiskuitiv
'vermischend': Fledermäuse beiderlei Geschlechts sind promiskuitiv, d. h. sie paaren sich mit mehreren Partnern. Substantiv: Promiskuität.
 
Pylorus
'Magenpförtner': Schlie▀muskel des Magenausgangs
 
Radius
'Speiche' bzw. der vordere Unterarmknochen des Arms
 
rezeptiv
'empfängnisbereit', von brünstigen Weibchen
 
Rhinolophidae
'Nasengrate'; die Fledertierfamilie der "Hufeisennasen". Die Rhinolophidae sind hochentwickelte Fledermäuse, die durch die Nase, also auch bei geschlossenem Mund im Ultraschallbereich rufen, aber nicht mehr laufen und springen können und keinen Ohrdeckel (Tragus) haben.
 
Schall
mechanische Schwingungen, die sich in einem elastischen Medium, z. B. Luft oder Wasser, ausbreiten. In Luft beträgt die Schallgeschwindigkeit 340 m pro Sekunde.
 
Spermatogenese
'Entwicklung der Spermien', die bei männlichen Fledermäusen im Sommer vor der herbstlichen Paarungszeit einsetzt.
 
subadult
'fast erwachsen, fast ausgewachsen'; subadulte Tiere sind noch nicht geschlechtsreif.
 
Taxonomie
Die biologische Systematik, also die wissenschaftliche und hierarchische Klassifizierung der Lebewesen entsprechend ihrer vermuteten Entstehungsgeschichte (Evolution) und Verwandtschaft.
 
Tibia
'Schienbein' im Unterschenkel von Wirbeltieren
 
Tragus
zuckerhutförmiger Ohrdeckel, der das eintreffende Echo eines Fledermaus-(Ultraschall-)Rufes verändert. Seine Form und Größe sind artspezifisch und erleichtern daher die Artbestimmung. Auch Menschen haben in jedem ihrer Ohren einen Tragus: das kleine knorpelige Hindernis, auf das man stößt, wenn man sich einen Finger ins Ohr steckt und ihn dann nach vorn Richtung Nase ziehen will ...
 
Ulna
'Elle' bzw. der hintere Unterarmknochen des Arms
 
Ultraschall
Schwingungen in einem hochfrequenten Bereich oberhalb 20.000 Hz bzw. 20 kHz, also oberhalb des menschlichen Hörbereichs. Ultraschall wird heute in Technik und Medizin vielseitig angewandt, etwa zur zerstörungsfreien Prüfung von Werkstücken auf Hohlräume, zur Tötung schädlicher Bakterien, als schonender Ersatz für Röntgenstrahlen etc. Fledermäuse verwenden Ultraschall zur präzisen Ortung von Hindernissen und Beute.
 
Uropatagium
'Schwanzflughaut': die vom Calcar gespannte Flughaut zwischen den Beinen, die vielen Fledermäusen zum Einkeschern ihrer Beute dient.
 
ventral
Zum Bauch gehörig, bauchseitig
 
Vespertilionidae
'Abend-Fledermäuse'; Familie der "Glattnasen". Zu den Vespertilionidae zählen die meisten Fledermausgattungen an; sie sind weniger hochentwickelt als die Rhinolophidae bzw. "Hufeisennasen", rufen durch Kehlkopf und Mund und sind auch am Boden noch recht beweglich.
 
Wellenlänge (λ)
in einer Welle der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Punkten gleicher Phase (d. h. im selben Schwingungszustand) auf derselben Wellennormalen (x-Achse). Die Wellenlänge ist um so kleiner, je größer die Frequenz ist (also je häufiger die Welle pro Zeiteinheit schwingt).
 
Wirt
das Opfer eines Parasiten bzw. Schmarotzers
 
 

Weitere, ausführlichere Glossare finden sich auf der Website www.TierundNatur.de unter Glossare.

Falls am linken Bildschirm-Rand keine Verweisleiste zu sehen ist, klicken Sie bitte auf , um den gesamten Framset anzuzeigen.

Zur Fledermaus-Leitseite Nach oben Fledermaus-Medien