Risiken durch Fledermäuse

Fledermäuse können wie alle Haus- und Wildtiere Krankheiten auf den Menschen übertragen, tun es aber meist nicht. Einerseits sind sie genauso harmlos wie ein Jungvogel oder Jungigel oder eine Katze, die man in die Hand nimmt: Wenn man diese Tiere nicht gerade mit den Lippen berührt und sich anschließend die Hände wäscht, passiert in der Regel nichts. Andererseits kann eine Fledermaus dem Menschen ebenso gefährlich werden wie etwa eine infizierte Hauskatze oder ein Fuchs oder sogar ein Huftier, vor allem wenn ein Erreger in die Blutbahn gelangt: Einem aufgelesenes Tier ist es selten anzusehen, ob es gesund oder krank oder nur Krankheitsüberträger ist.
    Ernsthafte Sorge um die eigene Gesundheit braucht also nur der zu haben, der erwachsene Fledermäuse unbekümmert mit bloßen Händen (womöglich noch mit einer offenen Wunde) anfaßt, so daß er gebissen werden kann und Erreger in die Blutbahn gelangen können. Parasiten, die auf Fledermäusen leben, sind mehr lästig als gefährlich, und Fledermausquartiere am bzw. im Haus sind grundsätzlich ungefährlich und haben eine Jahrtausend alte harmlose Tradition.

Zeitungsartikel vom 25.11.2002   Zeitungsartikel vom 26.11.2002

1. Tollwut

Eine Tollwut-Infektion ist die zugleich seltenste und größte Gefährdungsquelle: Tatsächlich kommt sie auch bei Fledermäusen manchmal vor und, wie es scheint, zu über 90% bei der Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) vor, die ihre Quartiere in Dachstühlen und Gebäudespalten sucht. Der Virus ist nicht identisch mit dem Tollwutvirus von Hund oder Fuchs, kann aber offenbar dennoch zum Tode führen, wie der Fall eines schottischen Naturschützers zeigt, der im November 2002 an einem Fledermausbiß starb (s. Zeitungsartikel). Gegen Fledermausbisse und Tollwut kann man sich jedoch schützen:

  1. Die erste und wichtigste vorbeugende Maßnahme besteht im grundsätzlichen Tragen von Handschuhen: Erwachsene Fledermäuse geraten in Panik, wenn sie aufgegriffen werden, und wenn sie nicht schon allzu sehr geschwächt sind, versuchen sie in einer natürlichen Abwehrreaktion, sich durch Beißen zu befreien. Ein normaler Lederhandschuh hält aber dem Insektenfressergebiß jeder Fledermaus stand. Bisse in die Hand bzw. den Handschuh lassen sich übrigens mit einigem Erfolg vermeiden, indem man das Fledertier mit der Hand vollständig, aber nicht zu fest (!) umschließt und seinen Kopf durch leichten Druck des Daumens oder Zeigefingers gegen den Unterkiefer fixiert.
  2. Falls es aus lauter Hektik und Unachtsamkeit dennoch zu einem verletzenden Biß kommt, sollte man die Bißwunde mit Wasser und Seife reinigen und sicherheitshalber einem Arzt zeigen; das Tier selbst sollte zunächst in menschlicher Obhut bleiben, da es bei Infektionsverdacht untersucht werden muß.
  3. Vorbeugend sollte sich jeder Fledermausschützer, der mit diesen Tieren öfters zu tun hat, gegen Tollwut schutzimpfen lassen. Das gilt übrigens genauso für Wildbiologen und Wildtierpfleger.

Daß Fledermäuse beißen könne, mußte auch ein Tourist im Krüger-Nationalpark in Südafrika erfahren: Er schickte dem Autor im Februar 2012 ein Foto der Spezies Mops condylurus ("Angolan free-tailed bat") und erklärte dazu: "Die abgebildete Fledermaus hatte mir nachts im Schlafe in den Nacken gebissen. Zwar habe ich mittlerweile neben dem o.g. Namen vom Krüger-Park erfahren, daß diese Typen wohl nicht als tollwütig bekannt sind, aber zur Sicherheit dennoch eine Auffrischungsimpfung unmittelbar nach Rückkehr nach Deutschland erhalten."

2. Mumps & Masern

Was für AIDS bereits seit langem bekannt ist, konnte nun auch für Mumps gezeigt werden: Die jeweiligen Viren stammen ursprünglich von Tieren. Der HIV-Virus, der AIDS auslösen kann, ist nach Erkenntnissen der Medizin von (gejagten) afrikanischen Menschenaffen irgendwann auf den Menschen übergegangen. Virologen des Universitätsklinikums Bonn um Prof. Dr. Christian Drosten berichteten am 24.04.2012 über eigene Untersuchungen und Berechnungen, nach denen die Erreger am Anfang des Stammbaums fast aller heutiger Paramyxoviren in Fledermäusen lebten; von diesen seien die Viren auf den Menschen und andere Säugetiere übergegangen. Die weit über 100 Mitglieder dieser Virenfamilie verursachen beim Menschen z. B. Masern, Mumps, Lungenentzündungen und Erkältungskrankheiten.
    Das menschliche Mumps-Virus stammt offenbar direkt von Fledermäusen und existiert in diesen immer noch, ohne sie zu schädigen. Fledermäuse sind also ein natürliches Erregerreservoir für auch in Menschen bekannte Viren. Diese lassen sich folglich durch Impfprogramme nicht endgültig ausrotten: Nach dem Ende der Impfkampagne könnten sie irgendwann doch wieder von einer Fledermaus auf Menschen überspringen. (Quellen: Mitteilung des Universitätsklinikums Bonn; Artikel "Bats host major mammalian paramyxoviruses" in Nature Communications)

3. Ektoparasiten

Parasiten, die außen an Fledermäusen schmarotzen, sind zwar nicht für den Menschen gefährlich, können aber Tierpflegern recht lästig werden, wenn es bei Pfleglingen zu einer Massenvermehrung kommt oder ein Fledermauskasten gereinigt werden soll. Pflegequartiere sollte man daher vorbeugend öfters kontrollieren und sauber halten und befallene Pfleglinge – ähnlich wie Hunde und Katzen – mit Flohpulver behandeln oder – ganz ungiftig – mit Kamillensalbe einfetten. Wer einen Kontakt mit solchen Parasiten vermeiden möchte, die sich im Nistmaterial und Kot von Vogel- und Fledermauskästen aufhalten, sollte mit der Reinigung von Sommerquartieren bis zum ersten Frost warten.
    Ein paar Hinweise zu den Plagegeistern, um keine falschen Befürchtungen zu wecken: Die zu den Insekten gehörenden Haarlinge (Mallophaga) und Läuse (Anoplura) kommen überhaupt nicht auf Fledermäusen vor, und nur wenige Wanzenarten (Heteroptera: Cimicidae) können eventuell auch auf den Menschen übergehen: die Fledermauswanze (Cimex dissimilis), die überwiegend Baumfledermäuse parasitieren soll, und die bekanntere Bettwanze (Cimex lectularius). Von den Spinnentieren (Arachnida) sind die Zecken (Acarina: Ixodidae) nur sehr selten auf Fledermäusen zu finden, Milben (Sarcoptidae, Psoroptidae) aber kommen häufig vor und leben in Haut und Haaren und sogar in den Nasenhöhlen, im Zahnfleisch und in der Lunge. Wenn befallene Tiere rechtzeitig gegen diese gefährlichen Parasiten behandelt werden, brauchen ihre Pfleger keine Belästigung zu fürchten.

4. Fledermauskot

Die Kotkrümel, die man manchmal auf Fensterbänken oder an bzw. neben Hauswänden findet, sind allenfalls ein ästhetisches Ärgernis. Sie lassen sich leicht durch ein Brettchen vermeiden, das unterhalb der Einflugluke zum Fledermausquartier an die Hauswand gedübelt wird. Wer will, kann den "Fledermausguano" gelegentlich einsammeln und als Blumendünger verwenden.
    Fledermausquartiere im Haus können unter Umständen dann problematisch werden, wenn sie jahrelang von vielen Tieren bewohnt werden: In dem sich häufenden Kot kann sich allerlei Ungeziefer ansiedeln, und Wanzen können in Ritzen auf die Rückkehr ihrer Wirte warten. Fledermausquartiere auf dem Dachboden oder im Keller sollten deshalb für Kontrollzwecke zugänglich sein und einmal im Jahr gereinigt – eventuell auch mit einem fledermausverträglichen Mittel desinfiziert – werden, wenn ihre Bewohner für längere Zeit "außer Haus" sind.

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