Fledermaus-Fütterung

  Junge Zwergfledermaus

Fledermäuse sind, wie der Fachmann sagt, "insectivor", also Insektenfresser. Ihre Ernährung in menschlicher Obhut muß dem in doppelter Weise Rechnung tragen: Fledermäuse vertilgen täglich bis zu einem Drittel ihres eigenes Körpergewichtes, und das Futter muß wirklich überwiegend aus Kerbtieren bestehen.
    Zwei Notfälle müssen beim "Aufpäppeln" von Fledermäusen unterschieden werden: Ganz junge, noch unselbständige Fledermaus-Babys Aufzucht, die zunächst Baby-Nahrung benötigen, und erwachsene Tiere, die sofort Insektennahrung brauchen.
    Falsch wäre, in Ermangelung von Insektennnahrung auf leicht zu beschaffendes Rind- oder Schweinefleisch, etwa Gehacktes, auszuweichen: Der Verdauungsapparat eines echten Insektenfressers ist an solch einseitige Kost nicht angepaßt.
    Die folgenden Empfehlungen sollen für den Fall helfen, daß sich keine Möglichkeit ergibt, eine Fledermaus in die Obhut einer auf diese Tiere spezialisierten Pflegestation bzw. eines erfahrenen Fledermausbetreuers zu geben.

1. Futtersorten

Es gibt drei Wege, an artgerechtes Futter für Fledermäuse zu kommen: fangen, kaufen oder selber züchten:

Rechts: Heimchen (Acheta domesticus), eine Grillenart (Familie Gryllidae), die mitteleuropäische Winter nur in beheizten Gebäuden überleben kann. In der Terraristik sind sie eine beliebte Futtersorte.
Unten links: Wachsmottenraupen parasitieren soziale Bienen, also Honigbienen und Hummeln. Man bekommt sie von einem befreundeten Imker oder aus einem Hummelkasten, wenn man diese nützlichen Insekten in Kästen im Garten hält.
Unten rechts: "Mehlwürmer", die Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor), lassen sich leicht züchten und sind daher ein ideales "Basisfutter".
  Heimchen (Acheta domesticus)
 
Wachsmottenraupen auf ihrem Gespinst   Mehlwürmer (Tenebrio molitor)

2. Fütterung

Eine ausgewachsene Fledermäuse weiß zunächst nicht, was ihnen geschieht, und versucht deshalb vielleicht, dem Pfleger zu entkommen oder sich zu wehren. Man nimmt sie deshalb, wie zuvor beschrieben Aufzucht, so in die mit einem Handschuh geschützte Hand, daß ihr Kopf zwischen Daumen und Zeigefinder hervorragt und sie ihre Flügel nicht öffnen und damit schlagen kann. Sollte man eine der seltenen Hufeisennasen (Rhinolophus spec.) füttern müssen, ist zu beachten, daß diese hochspezialisierten Tiere nur im Hängen fressen und trinken können. Die Fütterung erfolgt dann in drei Phasen:

  1. Zunächst hält man der Fledermaus mit der Pinzette einen halben Mehlwurm vors Maul, damit sie den Geruch aufnehmen und zubeißen kann. Falls keine Reaktion erfolgt, reibt man die Larve mit der offenen Seite am Maul und wartet, bis man sie ohne Gewalt hineinschieben kann.
  2. Sobald die Fledermaus vom Hunger getrieben auf den Geschmack gekommen ist, kann man sie ohne weitere "Überredung" zügig mit einem Insekt nach dem anderen füttern. Dabei ist es bald nicht mehr nötig, sie in der Hand zu halten, vielmehr streckt sie der Pinzette erwartungsfroh den Kopf entgegen.
  3. Nach drei bis vier Tagen frißt das Tier selbständig von einem Brettchen oder aus einem Napf.

3. Mehlwurmzucht

Eine "Mehlwurm"-Zucht wird in einem großen sauberen Kasten angesetzt. Damit die Larven des Mehlkäfers eine gefangenen Insekten vergleichbare vitaminreiche Kost darstellen, sollten sie sich nicht ausschließlich bzw. einseitig von Kleie, sondern auch von Salat und Äpfeln ernähren und/oder mit einem Vitaminpräparat bestreut und so aufgewertet werden.
    Allerdings dürfen nur hauchdünne Apfelscheiben mit Schale von ungespritzten Äpfeln verfüttert werden, da durch dicke, saftige Scheiben zuviel Feuchtigkeit an die Würmer kommt und diese dann bald sterben. Ein muffiger Geruch ist ein Alarmzeichen: Falls die Kiste einmal feucht ist und stinkt, sollte man mit gesunden Larven eine neue Zucht ansetzen.

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