Fledermaus-Schutz zu Hause

Auch der private Naturschützer, die sich nicht einem Fledermaus-Verein anschließen können oder wollen, können im privaten Bereich, in Haus und Garten, einiges für den Schutz der heimischen Fledertiere tun: Selbst dort, wo die Nahrungsgrundlage durchaus noch vorhanden ist, können die empfindlichen Säuger ohne geeignete Quartiere nicht überleben. In folgenden Bereichen lohnt es sich, tätig zu werden:

1. Giftfreie Umwelt

Wo immer möglich, sollte Gift vermieden werden: im Garten gegen Insekten ist es ohnehin überflüssig, im Haus kann es auch für Menschen so gefährlich sein, daß ein Gebäude teilweise abgerissen werden muß. Da wundert es nicht, daß Fledermäuse, die auf dem Dachboden Unterschlupf finden, sich dort mit Holzschutzmitteln vergiften und qualvoll sterben. Deshalb sollten dort, wenn überhaupt, nur weitgehend unbedenkliche Holzschutzmittel Holzschutzmittel Verwendung finden. Um die Tiere vor vorhandenen Kontaktgiften zu schützen, sollte man unter dem Dach Unterschlupfmöglichkeiten aus giftfreiem Holz für sie installieren:

Ausgebaut, aber fledermausfreundlich
Ausgebauter Dachstuhl mit Fledermaus-Kammern

2. Fledermäuse im Haus

Der "natürliche" Ort für ein Sommerquartier im Haus ist der Dachboden: Fast alle "Hausfledermäuse" fühlen sich dort wohler als im kühlen Keller, denn es ist dort warm, trocken, dunkel und sicher. Die Fledertiere hängen entweder frei am Gebälk, oder sie verkriechen sich zwischen Dachsparren und -latten oder Balken und Mauerwerk. Voraussetzung für einen Fledermausbesuch ist natürlich, daß die Tiere überhaupt Zugang zum Dachboden haben. Genau das ist aber heute immer seltener der Fall: Dachboden werden bei Neubauten oder Renovierungen regelmäßig "dicht gemacht". Deshalb zunächst etwas Dach- und Dachziegelkunde:
    Traditionell gedeckte Dächer sind regensicher, aber nicht regendicht. Dies ist nun keineswegs auf das Unvermögen oder die Nachlässigkeit unserer Vorfahren zurückzuführen, sondern hatte und hat einen doppelten Grund: Luftdurchlässige Dächer sollen die aufsteigende Luftfeuchte des Hauses aufnehmen und nach außen abgeben; bei Regenwetter soll von außen eindringende Luftfeuchte nicht kondensieren und die Dachlattung befeuchten. Die Lösung dieses Problems sind Dachziegel, deren natürliche Feuchte durch den Brennvorgang ausgetrieben wird und dabei feine Kapillaren entstehen läßt, die später wieder Feuchtigkeit aufnehmen können: Regenwasser nehmen die Ziegel schnell auf und geben es bei guter Hinterlüftung schneller wieder ab, als die Luftfeuchte kondensieren kann. Diesem Prinzip haben alte Scheunen und Wohnhäuser ihre jahrhundertelange Existenz zu verdanken.
    Moderne Dachstühle werden oft regendicht gebaut, indem das Eindeckmaterial (Ziegel, Schiefer etc.) eine "Unterspannung", also wasserdichte Kunststoffbahnen erhält, die den Dachboden versiegeln. Den positiven keramischen Eigenschaften gebrannter Dachziegel tut das keinen Abbruch, die Feuchtigkeit des Hauses wird jedoch nicht mehr abgeleitet, und Fledermäuse finden keine Zuflucht mehr.

Ob es sich nun um einen alten, offenen oder neuen, dichten Dachstuhl handelt: Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, den Insektenjägern zu helfen. Voraussetzung ist jeweils, daß die Fledermäuse nie mit Holzschutzmitteln in Kontakt kommen können:

Fledermaus-Ziegel   Lüfter-Ziegel mit Sieb
Fledermaus-Ziegel mit Laufbrettchen im Querschnitt   Ein solches Sieb läßt sich leicht herausbohren.

Keller werden als Sommerquartier nur von wenigen Arten aufgesucht. Als Winterquartiere kommen nur solche Gemäuer in Frage, die alt, kalt wenig besucht und für Fledermäuse zugänglich ist. Die wenigsten Menschen haben heutzutage noch solche alten höhlenartigen Gewölbe, in denen früher Eis, Lebensmittel oder Wein gelagert wurde, oft wurden sie ausgebaut, zugeschüttet oder bei Abrissen zerstört. Wer das Glück hat, ein altes Kellergewölbe zu besitzen, sollte eine Einflugöffnung schaffen (mindestens 3x5 cm) und sicherstellen, daß verschiedene Hangplätze vorhanden sind. Ist die Decke wider Erwarten zu glatt, kann man an geeigneten Stellen z. B. Hohlblocksteine mit der Öffnung nach unten einmauern.

Hohlräume in Dachvorsprüngen

3. Fledermäuse am Haus

Man kann den kleinen Säugern auch "Asyl" gewähren, ohne sie ins Haus zu lassen: Da die meisten ihrer Quartiere nicht im, sondern am Haus zu finden sind, sollte man gerade dort dafür sorgen, daß potentielle Verstecke nicht einem falschen Ordnungssinn zum Opfer fallen. Niemand wird ernsthaft verlangen, daß man monatelang seine Fensterläden nicht mehr schließt, weil dort einige Kleine Bartfledermäuse Quartier machen – schließlich hat man diese (heute altmodischen) Fensterklappen ja gerade, um sie bei Bedarf schließen zu können. Ein Ersatz für ein solches Quartier in Form eines festmontierten dekorativen Flachkastens oder eingemauerten Einbausteins ist jedoch jedem zuzumuten. Folgende Quartiertypen gibt's:

4. Fledermäuse in Wirtschaftsgebäuden

Bauern, die noch in traditionellen Ställen und Scheunen wirtschaften, kennen Fledermäuse von alters her: Einzelne Tier oder gar ganze Wochenstuben hingen und hängen im Gebälk oder an rauhen, unverputzten Wänden. Der Standortvorteil für die Tiere besteht in der Wärme, die von dem eingestellten Vieh ausgeht und von den Mauern gehalten wird, sowie in der Zugänglichkeit: Traditionelle Wirtschaftgebäude sind permanent offen, um den nötigen Luftaustausch zu gewährleisten, und gewähren dadurch ebenso gefährdeten wie nützlichen Kulturfolgern Einflug: Rauchschwalben, Schleiereulen – und eben Fledermäusen. Letztere gehören übrigens zum Beutespektrum einer Schleiereule – aber auch das ist Natur.
    Ein naturbewußter Bauer sperrt gefährdete Tiere, die seit Jahrtausenden unter seinen Dächern leben, nicht aus seinen Gebäuden aus: Lüftungslöcher sollten nicht unnötig zugemauert, vergittert oder durch einen Ventilator ersetzt werden. Wird ein Ventilator eingesetzt, spricht nichts gegen einige zusätzliche Öffnungen für Tag- und Nachtjäger. Sollten die traditionellen Hang- und Nistplätze für Fledermäuse und Schwalben in den modernen, aus Hohlblocksteinen und Leichtmetall errichteten landwirtschaftlichen Produktionshallen fehlen, sollte man solche Nistgelegenheiten wie in Wohnhäusern nachrüsten.

Löcher in gemauertem Kuhststall   Einflugspalt in einer Holzscheune
Durch solche Maueröffnungen können Fledermäuse bequem einfliegen – aber auch Schleiereulen.   Ein ständig offener waagerechter Einflugspalt in einer Holzscheune ist für Fledermäuse ideal.
 
Unbewohntes Kellergewölbe von außen   Unbewohntes Kellergewölbe innen
Alte, vor menschlichem Zutritt geschützte frostsichere Gewölbe sind wichtige Winterquartiere. Ungünstig sind hier allerdings die senkrechten Stangen der Gittertür, da diese schlecht durchflogen werden können.

5. Fledermäuse im Garten

Dort kommen an Bäumen rechteckige und runde Fledermaushöhlen in unterschiedlichen Formen und Größen zum Einsatz – also dieselben wie im Freiland Im Freiland –, und viele lassen sich kaufen (Adressen Adressen). Wichtig ist, daß die Geräte nicht baumeln, sondern am Stamm anliegen, und daß möglichst verschiedene Nisthilfen für verschiedene Arten angebracht werden – als Ersatz für Spalten in Bäumen, Felsen und Mauern.

6. Montageorte

  1. Anflug: Fledermaushöhlen müssen einen freien Anflug haben, sich also nicht hinter Gebüsch oder belaubten Ästen befinden.
  2. Baumarten: An Nadelbäumen montierte Fledermauskästen bergen grundsätzlich die Gefahr, daß die Tiere mit Baumharz in Kontakt kommen und sich ihre Flughäute verkleben.
  3. Höhe: An Bäumen sollten Kästen so hoch wie möglich (ab ca. 5 m) angebracht werden; an Gebäuden kommen insbesondere Giebelwände unterhalb des Firstes, aber auch Wände unter dem Gesims in Frage. (Für die Montage in solcher Höhe ist in der Regel eine lange ausziehbare Aluleiter erforderlich, die einschlägigen Sicherheitsbestimmungen sind im eigenen Interesse zu beachten.)
  4. Himmelsrichtungen: Die meisten Fledermauskästen sollten nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein, da Fledermäuse aus naheliegenden Gründen allzu heiße Innenräume meiden; die Quartiere sollten also eher nach Osten als südlich orientiert sein. Nach Süden ausgerichtete Kästen können aber besonders im kühlen Frühjahr und Herbst den Flugsäugern zum Aufwärmen dienen. Nach Norden zeigende Kästen können auch in der warmen Jahreszeit zu kalt bleiben, und auch zur sogenannten Wetterseite hin (Norden oder Westen) sind Kästen für Fledermäuse wenig attraktiv.
        Da Fledermäuse ein feines Gespür auch für kleine Unterschiede in Temperatur und Luftfeuchte haben, können sie häufig (auch täglich) das Quartier wechseln und genau die Höhle aufsuchen, die am ehesten ihren jeweiligen kleinklimatischen Bedürfnissen entspricht. Für die Himmelrichtung folgt daraus: Kann oder soll nur ein Quartier angebracht werden, gehört dieses auf die Ostseite; das nächste mögliche Quartier wird auf der Südseite montiert und das dritte in der Himmelrichtung, die nicht die "Wetterseite" darstellt. Eventuell weitere Kästen können in einigem Abstand zu First oder Gesims auch frei auf oder (als "Einbausteine") in der Mauer angebracht werden: Es gibt heute Quartiermodelle aus Holzbeton, die sich wie die Hauswand streichen lassen!

Da Vögel auf Nistplatzsuche sich immer wieder auch in Fledermauskästen quetschen, sollte man immer auch einige Vogel-Nisthöhlen aufhängen.

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